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Affinity Publisher ab sofort in Version 1.9 erhältlich

Der Affinity Publisher ist ab sofort in Version 1.9 erhältlich

Affinity Publisher ist ab sofort in Version 1.9 erhältlich (Screenshot affinity.serif.com: J.-Chr. Hanke)

Seit wenigen Tagen gibt es Affinity 1.9 und damit auch einen brandneuen Publisher. Was kann die neue Version des Layoutprogramms?

Der Startbildschirm von Publisher 1.9 sieht sehr attraktiv aus.

Der neue Startbildschirm von Publisher 1.9 sieht immerhin schon einmal sehr attraktiv aus.

Die wichtigsten Neuerungen im Überblick

Hier liste ich dir die für mich wichtigsten Neuerungen im Überblick auf.

Mehr Leistung und Tempo

Zum Ersten verspricht die Herstellerfirma mehr Leistung und Tempo. Das Versprechen wird tatsächlich gehalten. Große Bücher laden spürbar schneller und ohne dass die Prozessorlast gleich ins Unermessliche steigt. Ein wichtiger Schritt für den Satz von Büchern.

Serif verspricht auch eine bessere Grafikleistung, z. B. bei den neuen M1-Chips von Apple. Das trifft aber eher Aufgaben rund um Pixelbearbeitung, wie der Hersteller schreibt. Da ich nicht so viele Pixel mit Publisher bearbeite, habe ich davon noch nicht viel gespürt.

PDF-Transfer

Publisher kennt jetzt den PDF-Transfer. Was bedeutet das? Du kannst ab sofort fremde PDF-Dateien in Publisherdateien integrieren, ohne dass du die dort enthaltenen Schriften besitzen musst. Klingt irgendwie selbstverständlich, war es bisher aber nicht.

Bisher wurden in Publisherdokumente integrierte PDF-Dateien immer dann im Layout verändert, wenn die dort eingebetteten Schriften auf deinem Rechner nicht vorhanden waren. Eigentlich ein absolutes Unding, sollte doch gerade das PDF-Format Garant dafür sein, dass sich das Layout eben nicht verändert. Jetzt ist dieses Unding weg.

Paketfunktion

Seit Version 1.9 kannst du Publisherdateien, genau wie übrigens ID-Dateien auch, als sogenanntes Paket zusammenfassen und dadurch leichter weitergeben. Die entsprechende Funktion findest du unter Datei bzw. Ablage/Als Paket speichern. Das Programm sammelt dabei alle Bilder und Schriften in entsprechenden Paketordnern und du gibst alles zusammen weiter.

Eine Superfunktion, die ich schon während des monatelangen Betatests geliebt habe.

Benutzerdefiniertes Studio

Endlich kannst du dir in Publisher die Anordnung und Auswahl der Paneele in einer Vorlage speichern. Wähle Ansicht/Studiovorgaben und speichere die aktuelle Bildschirmansicht als Vorlage, die du jederzeit wieder aufrufen kannst.

Das war mehr als überfällig!

Datenzusammenführung

Das ist eine Art Seriendruckfunktion im Publisher. Du kannst Daten aus einer externen Datenquelle in deine Dokumente integrieren, ideal für Kataloge, deren Einträge beispielsweise aus Datenbankfeldern stammen.

Apropos Datenbankfelder: momentan werden leider erst Text-/CSV-, JSON- und Excel-Dateien unterstützt.

Im Zweifelsfalle musst du deine Datenbankdaten, beispielsweise aus einer MySQL- oder Access-Datenbank, erst in eins dieser Formate umwandeln.

Für den Buchsatz ist diese Funktion weniger relevant.

Versatz für die erste Textgrundlinie

Diese Funktion dagegen ist für den Buchsatz hochinteressant. Was habe ich mich schon geändert, wenn eine zu große Überschrift plötzlich nicht mehr auf die erste Grundlinie passte, weil sie zu groß war. Prompt rutschte sie genau eine Linie tiefer und saß damit zu tief.

Die neue Funktion Erster Versatz im Paneel Textrahmen schafft Abhilfe: Stelle ich sie von Normal auf x-Höhe, rutscht die Überschrift wieder auf die erste Grundlinie. Göttlich!

PDF-Lesezeichen

Endlich bietet der Publisher auch die Möglichkeit, Überschriften oder benutzerdefinierte Abschnitte als sogenannte PDF-Lesezeichen zu exportieren. Voraussetzung sind aber benutzerdefinierte Anker oder die Einrichtung eines Inhaltsverzeichnisses (über das gleichnamige Paneel.) So erhält man immerhin eine besser navigierbare, interaktive PDF-Datei.

Das reicht mir aber nicht. Ich warte auf den längst überfälligen HTML- und E-Book-Export!

Und was fehlt weiterhin?

Da fällt mir noch einiges ein, das auf dem Weg zu einem „richtigen Satzprogramm“ fehlt:

  • Fuß- und Endnoten (sic!)
  • Import von Indexeinträgen aus Word
    Update: Es ist mir heute, am 8.2.2021 endlich gelungen, Indexeinträge aus Word zu importieren! Also klappt es jetzt, wie schön!
  • Buchfunktion (Aufteilen langer Dokumente)
    Hinweis: Es gibt eine Pseudo-Buchfunktion. Über das Seitenpanel lassen sich verschiedene Publisherdokumente zu einem vereinen
  • echte lebende Kolumnentitel (aus Überschriften)
    Hinweis: Man muss sich bisher mit den Sektionen behelfen
  • HTML- und E-Book-Export
  • Import von verknüpften Abbildungen, Querverweisen, Verzeichnissen und anderen Feldern

Es bleibt also noch eine Menge zu tun. Der Hersteller hat aber schon eine Menge erreicht. Wie siehst du das? Ist das Glas für dich halb leer oder halb voll?

 

  1. A. Beitinger

    Was mich in Affinity Publisher von Anfang an am meisten stört, ist der unbefriedigende Umgang mit CMYK-Farben und insbesondere mit dem Thema Schwarzaufbau. Affinity tut so, als seien RGB und CMYK völlig gleichberechtigte Farbsysteme, zwischen denen man jederzeit eindeutig wandeln kann. In der Farbauswahl kann man beliebig umschalten und kriegt gar nicht mit, in welchem System Affinity die Farben gerade intern speichert. Legt man das Projekt in CMYK an und kopiert dann Texte in RGB-Schwarz aus einer Textverarbeitung rein oder importiert man eine PDF-Datei mit RGB-schwarzem Text und wandelt sie beim Import in CMYK um, hat man den ganzen Text in grausamen CMYK-Mischfarben. Umgekehrt, wenn man eine PDF mit Text in reinem CMYK-Schwarz öffnet und nach RGB wandelt, macht Affinity aus dem reinen CMYK-Schwarz ein RGB-Dunkelgrau. Also es fehlt sowohl die Kontrolle darüber, wie eine Umwandlung der Farben erfolgt, als auch eine „intelligente“ Automatik, die beim Umwandeln nach halbwegs sinnvollen Kriterien unterscheidet.

  2. Buchlayouter Johann

    Schwarzaufbau? Da hast du direkt ins Schwarze getroffen! Es stört und ärgert mich auch, wenn eigentlich schwarze Texte in manchen Fällen in „buntes“ CMYK-Schwarz umgewandelt werden und ich das nicht richtig kontrollieren kann.

    Ich checke deshalb jede PDF-Datei mit der Ausgabevorschau von Adobe Acrobat Professional und schaue, ob das Schwarz auch ja in 100 K abgebildet wurde. Aber diese Möglichkeit hat eben nicht jeder.

    Na, ob die das noch hinkriegen?

  3. A. Beitinger

    Adobe Acrobat Professional hat nicht jeder, das stimmt. Es gibt aber Alternativen.
    Ich benutze zum Checken der Farben „FlexiPDF“. Da kann ich zumindest jedes Element einzeln markieren und dann jeweils auf den Button „Farbe“ klicken. Meist reichen ja einige Stichproben.
    Wenn ich Farben einer PDF nachträglich umwandeln will (z. B. von RGB nach CMYK), benutze ich „PDF-XChange Editor Plus“. Dessen Funktion „Farben umwandeln“ lässt sich sehr fein konfigurieren.
    Ein einzelnes Programm, das beide Anforderungen vereint, habe ich leider noch nicht gefunden.

  4. Axel Scala

    Ja damit ich kämpfe auch.
    Ich bin Druckvorstufentechniker und habe in unser Firma ca. 30 unausgebildete „Zulieferanten“, denen es an Fachkenntnis fehlt. Ein Klick auf „100 % Schwarz“ im sogenannten Grautönen-Schwarzfeldern erzeugt kein 100% K sondern ein 4-färbiges „buntes“ Feld. Leider lässt sich das auch in der aktuellen Version – (1.9 – Stand Februar 2021) nicht korrigieren.
    Mal abgesehen von der fehlenden Fußnotenfunktion, der katastrophalen (deutschen) Silbentrennung – da ist ja MS-Word noch besser! – einer fehlenden GREP-Funktion, ist der Publisher vorerst nur zur Erstellung einer Schülerzeitung o. ä. geeignet.
    Ich stehe zwar dem Ansatz, Adobe paroli zu bieten positiv gegenüber, aber für professionelle Publikationen bleibt einstweilen nur halt nur InDesign (bzw. Quark X-Press) …

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