Welches Werkzeug verwendest du für den Rechtschreibcheck deines Buchmanuskripts? Und kann man sich in Zeiten von ChatGPT und Co. ein professionelles Korrektorat eventuell sparen? Mein Wunsch: Ich nehme eine Worddatei, schicke sie an die KI und bekomme sie korrigiert und fehlerfrei zurück. Zu 100 %! Natürlich unter Bewahrung aller Formatierungen. Auch logische Fehler findet das Tool und korrigiert diese.

Und wenn dann – natürlich erst auf Nachfrage – auch noch der Ausdruck verbessert wird – umso besser. Dann bekäme ich zum Korrektorat auch gleich ein Lektorat dazu!

Träume ich oder geht das heute schon? Soviel vorab: Meine Hoffnungen wurden nur teilweise erfüllt. Das Werkzeug, das alles kann, gibt es leider (noch) nicht. Aber vielversprechende Ansätze.

In diesem Beitrag zeige ich, wie weit, wie gut, wie sicher und teuer die entsprechenden Tools derzeit (März/April 2024) sind und wie gut sich ChatGPT und Copilot bei dieser Aufgabe schlagen. Doch zuerst werfen wir einen Blick zurück in die Vergangenheit.

Duden Korrektor

Fangen wir zum Vergleich mit einer „nicht-intelligenten“, Algorithmus-basierten Lösung an: dem bekannten Duden Korrektor. Den Duden Korrektor gibt es seit mindestens 2007, damals noch in Form einer Programmerweiterung für Word bzw. auch für OpenOffice.

Dieses schon klassische Werkzeug prüft Grammatik, Rechtschreibung, Zeichensetzung und in Teilen auch den Stil (Füllwortanalyse, Erkennung von Slang, Nominalstil usw.) und das immer schon weit besser als die Standardlösung von Word.

Ich war bis vor kurzem ein ganz großer Fan dieses Werkzeugs, allerdings nie in der Version für Word. (Die alte Word-Version war furchtbar, die für den Writer etwas besser.)

Eingebaut in Papyrus Autor und TextMaker

Erst als Papyrus Autor 2008 auf den Markt kam und den Duden Korrektor gleich mit an Bord hatte, konnte man vernünftig und schnell mit diesem Werkzeug arbeiten. Nicht dass ich Papyrus Autor besonders mag – als Textverarbeitung finde ich das Programm einfach nur schrecklich – die Integration des Duden Korrektors ist gelungen!

Wenige Jahre danach zog zum Glück der TextMaker nach und integrierte ebenfalls den Duden Korrektor. Hier läuft er sogar noch einen Tick flüssiger, allerdings ist die Anzeige der Fehler nicht ganz so kräftig und kontrastreich. (Eins zu null für Papyrus Autor.)

Neustart in Word und Korrektor in InDesign/InCopy

Es gibt den Korrektor inzwischen auch in einer neuen, im Vergleich zur „alten Word-Variante“ verbesserten Version für Microsoft Word (Kostenpunkt: 79,- EUR für eine zeitlich unbegrenzte Version, 29,- EUR für die auf 6 Monate beschränkte Kurzversion), hergestellt von der Firma EPC Consulting und Software GmbH aus Mannheim. Die Firma wurde 2013 von ehemaligen Mitarbeitern des Bibliographischen Instituts gegründet.

Die Firma EPC steckt übrigens auch hinter der Version des Duden Korrektors, der in InDesign und InCopy CC eingebaut ist!

Erste Prüfung: immer im Korrektor

Ich prüfe angelieferte Texte immer noch zuallererst überblicksartig mit dem Korrektor, um festzustellen, wie viele Fehler enthalten sind. Dafür kopiere ich den Text kurz in Papyrus Autor (oder TextMaker), scrolle durch die Seiten und schaue auf die unterkringelten Stellen. Besonders deutlich hebt Papyrus die Fehler hervor!

Gibt es viele Unterstreichungen? Dann ist das ein schlechtes Zeichen!

Der Vorteil des Korrektors: Er läuft auf dem heimischen PC, ist daher aus Datenschutzsicht unproblematisch. Man kann das gesamte Dokument auf einen Schlag prüfen. Der Nachteil: KI-Funktionen fehlen und damit werden stets weniger Fehler gefunden als bei „intelligenten Tools“.

Außerdem gilt: Jede Korrektur muss (und sollte!) manuell bestätigt oder abgelehnt werden. Hier ist also vergleichsweise viel menschliches Eingreifen nötig und das kostet Zeit.

Preistipp: Korrektor im TextMaker

Günstig ist die dauerhafte Nutzung des Duden Korrektors innerhalb vom TextMaker. Die Kaufversion mit Duden Korrektor geht bei 129,95 EUR los (Einmalzahlung) und damit kann man den Dienst für immer nutzen. Aber auch ein Abonnement von TextMaker im Rahmen von Office NX ist empfehlenswert, es kostet 49,- EUR/Jahr und erlaubt dir zusätzlich die Nutzung von ChatGPT innerhalb vom TextMaker.

Fazit

Der Korrektor bekommt von mir als Korrekturwerkzeug 7 von 10 Punkten. (Die Word-eigene Lösung nur 4 von 10). Optisch am besten ist die Korrektur in Papyrus Autor gelöst. Der Korrektor ist aus Datenschutzsicht auch heute noch eine sichere, günstige und zweckmäßige Lösung. Alle Daten bleiben auf deinem PC! Nachteil ist das zeitintensive, menschliche Eingreifen. Kann KI hier Zeit sparen?

LanguageTool in der Open-Source-Variante

Das LanguageTool wurde 2003 vom angehenden Computerlinguisten Daniel Naber im Rahmen seiner Diplomarbeit vorgestellt und mithilfe der Community stetig weiterentwickelt. Es war in der Vergangenheit ausschließlich eine Open-Source-Korrekturlösung. Die Open-Source-Variante kommt zwar nicht an die Qualität des Duden Korrektors heran, ist aber immer noch deutlich besser als die hauseigene Korrekturlösung von Word.

LanguageTool, hier in einer Version für OpenOffice: Es findet sogar das fehlende Leerzeichen vor der Einheit °C. Die Word-eigene Rechtschreibkorrektur, die neuerdings unter dem Namen „Editor“ firmiert, hätte das nicht gefunden!

Aber auch hier gilt: Dieses klassische Werkzeug basiert – genau wie der Duden Korrektor – auf Regeln, auf Algorithmen. Künstliche Intelligenz war bisher nicht am Start. Schneller als der Duden Korrektor ist „LanguageTool classic“ daher nicht, auch hier musst du manuell entscheiden, ob du die Korrektur übernimmst oder nicht. Dafür zahlst du für dieses Werkzeug keinen Cent und „nach Hause“ telefoniert das Programm natürlich ebenfalls nicht!

Fazit

6 von 10 Punkten vergebe ich in meinem Test (im Gegensatz zu 4 von 10). Du kannst es gerne ausprobieren, lade dir beispielsweise die kostenlose Rechtschreibprüfung für OpenOffice unter https://languagetool.org/de/open-office herunter und prüfe deine Dokumente.

LanguageTool als Dienst

Ganz anders sieht das mit „LanguageTool als Dienst“ aus, so will ich es jetzt mal nennen. Denn LanguageTool (Slogan „Ihr Schreibassistent“) ist seit einer Weile auch ein KI-basierter, in der Premium-Version kostenpflichtiger Onlinedienst der LanguageTooler GmbH aus Potsdam.

Mit KI-Unterstützung wird das LanguageTool so richtig gut und findet (selbst in der kostenlosen Version) mehr Fehler als der Duden Korrektor!

So sieht LanguageTool aus, wenn es innerhalb von Word korrigiert.

So sieht LanguageTool aus, wenn es innerhalb von Word korrigiert. Das geht langsam vonstatten, aber so ist man es ja schon vom Duden Korrektor innerhalb von Word gewohnt.

Abgesehen davon arbeitet das Tool ganz ähnlich wie der Korrektor: Fehler werden in diversen Browser- und Programmfenstern (von Word über Apple Pages bis Editor) schön kontraststark unterstrichen und du musst manuell eingreifen. Damit das klappt, gibt es LanguageTool für Desktop und diverse Programmerweiterungen für deinen Browser.

Ich persönlich nutze am liebsten die LanguageTool-Website als zentrale Anlaufstelle, hier speziell diesen „Editor“ (das Korrekturwerkzeug). In der Premiumversion verdaut dieser bis zu 150.000 Zeichen auf einen Schlag und bietet eine erweiterte, sehr akribische Prüfung. Du kannst dann sogar Sätze umschreiben lassen und den Styleguide nutzen, der dir bei Formulierungen hilft.

Eine Art „Duden Korrektor“ in vielen Programmfenstern

Im Endeffekt bekommst du also einen Rechtschreibassistenten, der dir überall, in Word, aber auch beim Bloggen und E-Mail-Schreiben und in immer mehr Programmfenstern über die Schulter schaut und Korrekturvorschläge macht.

Aber auch hier gilt stets: Es sind immer nur Vorschläge, die du annimmst oder ablehnst. Eine „Ein-Klick-Korrektur“ ist nicht vorgesehen.

Die Möglichkeit, ein Worddokument auf die Website hochzuladen, führt dich möglicherweise auf die falsche Fährte. Das Dokument wird lediglich zum Prüfen in den Online-Editor geladen, immerhin unter Bewahrung der Formatierungen. Klar, du kannst diesen Text nach Prüfung auch wieder als Worddokument exportieren und herunterladen.

Aber vorher musst du eben Schritt für Schritt jede einzelne Fundstelle sichten und die Korrekturen annehmen oder nicht. Das dauert seine Zeit und ist von meinem Ideal einer „Ein-Klick-Korrektur“ noch meilenweit entfernt.

LanguageTool macht ziemlich viele Fehler

Eine Sache erstaunt mich: LanguageTool macht immer wieder Fehler, die eine KI eigentlich nicht machen sollte. Das sind logische, aber auch grammatikalische Fehler. Möglicherweise unterstreicht das Werkzeug die entsprechende Stelle zwar, weil es einen Fehler vermutet, macht dann aber falsche Vorschläge. Und das kann fatal sein, wenn man die Korrektur im Vertrauen übernimmt.

Ein Beispiel dafür siehst du im folgenden Screenshot:

Falscher Vorschlag für meinen Fehler: „Computerlinguisten“ wäre richtig gewesen! Diese Ansicht stammt aus dem „Online-Editor“ von LanguageTool.

Und ein weiterer Fehler ist mir beim Bearbeiten des Artikels direkt hier in WordPress aufgefallen:

Und zum Abschluss noch ein falscher Korrekturvorschlag vom LanguageTool direkt hier in WordPress.

Verbesserung des sprachlichen Ausdrucks

Immerhin bietet LanguageTool (in der Premium-Version) Vorschläge zur Verbesserung des sprachlichen Ausdrucks. Diese Funktion hätte im Beispiel beide Fehler gefunden und korrigiert, braucht aber auch eine Weile zum Laden.

Sie muss jedoch explizit aufgerufen werden, im Beispiel über den Pull-down-Menüeintrag Umformulieren.

Günstiger Preis

Dafür ist der Premium-Preis vergleichsweise moderat, bei einem Abo mit Jahreslaufzeit betragen die monatlichen Kosten knapp 5 EUR. Auch beim Datenschutz ist alles im grünen Bereich: Die Daten werden auf Servern in der EU bearbeitet, die Firma gibt sich transparent in Bezug auf Datenschutz und Sicherheit. Sie schreiben, sie würden DSGVO-konform arbeiten, also im Sinne der Datenschutz-Grundverordnung.

LanguageTool unterstützt mehrere Sprachen und arbeitet dank der Desktop-Versionen für Windows und Mac und dank der Erweiterungen in immer mehr Programmen auf deinem Rechner. Ein nützliches Werkzeug!

Fazit

Ich nutze das LanguageTool trotz seiner kleinen Unzulänglichkeiten sehr gerne, da es mich direkt in vielen Programmen und auch beim E-Mail-Schreiben und Bloggen unterstützt. Es findet weit mehr Fehler als der Duden Korrektor, macht allerdings in einigen Fällen falsche Vorschläge. Mir fehlt ein Modus zur Ein-Klick-Korrektur. Aus Datenschutzsicht vertraue ich dem Werkzeug. Es bekommt von mir daher 8 von 10 Punkten, etwas mehr als der Duden Korrektor. Zwei Punkte fehlen, einer, da er nicht ganz perfekt ist und ein weiterer, da er keine Ein-Klick-Korrektur anbietet.

LanguageTool hat Potenzial. Das scheint auch die Firma Learneo aus den USA erkannt zu haben, die am 4.3.2023 den Erwerb von LanguageTool bekannt gab. Wieder ein deutsches Programm weniger.

Grammarly

Vielleicht bist du schon auf die manchmal witzige, manchmal nervige Werbung für Grammarly gestoßen. Grammarly ist ein Mitbewerber zu LanguageTool aus den USA und bietet einen vergleichbaren Funktionsumfang. Das Problem: Es steht nicht auf Deutsch zur Verfügung. Grammarly beschränkt sich auf Englisch. Insofern gehe ich auf das Werkzeug hier nicht weiter ein!

Duden Mentor

Ein weiterer Mitbewerber ist der Duden Mentor aus dem Hause Cornelsen, den es als Online-Tool inklusive Word-Add-in gibt. Ich habe den Duden Mentor vor einigen Monaten intensiv getestet und für schlecht befunden, und das selbst in der Premium-Version. Zudem war und ist er teuer, selbst in der „preiswerteren“ der beiden Premium-Versionen (9,95 EUR/Monat, monatlich kündbar) und man kann nur 20.000 Zeichen pro Prüfung hochladen, das sind 13 Seiten. Ein Witz! Ich habe nach einem Monat gekündigt!

Fazit

Das Tool bekommt von mir lediglich 6 von 10 Punkten, etwas mehr als der Word-eigene Korrekturdienst. KI-Features vermisse ich und der Preis ist für die Leistung viel zu hoch.

Hinweis: Sie kündigen auf der Website gerade einen KI-gestützten „Mentor express“ an, den man 7 Tage kostenlos testen kann.

DeepL.write

DeepL aus Köln, die Firma, die das Übersetzen seit vielen Jahren revolutioniert, gilt als Einhorn und Vorzeigefirma. Sie wurde von einem polnischstämmigen Computerlinguisten gegründet. Hier kannst du als Premiumkunde Worddokumente hochladen und bekommst sie formatiert und übersetzt zurück. Und das je nach Anforderung ziemlich gut.

DeepL bietet seit gefühlt einem Jahr neben seinem Übersetzungstool auch einen Service namens „DeepL.write“ an.

Worddokumente? Fehlanzeige!

Funktioniert der ähnlich gut wie die Übersetzungsmaschine? Worddokument hochladen, korrigiert und praktisch fehlerfrei zurückbekommen? Leider nicht. Die Verarbeitung von Worddokumenten steht hier nicht auf dem Plan. Vielleicht in Zukunft?

Derzeit ist das Werkzeug außerdem noch in der Betaphase, einer ziemlich langen Betaphase. Und die lässt mich seit vielen Monaten ratlos und fast ärgerlich zurück.

Umformulieren oder nur korrigieren?

Klar, es gibt ein wunderbares, zweigeteiltes Textfeld. Links kopierst du die fehlerhafte Version hinein (als registrierter Nutzer bis zu 3.000 Zeichen). Rechts wählst du unter „Modus“, ob du nur die Rechtschreibung korrigieren (Korrigieren) oder auch den Stil (Umformulieren) ändern willst. Letzterer lässt sich in einem weiteren Pull-down-Menü feintunen:

  • einfach,
  • geschäftlich,
  • akademisch,
  • technisch und
  • locker

Damit du auch den richtigen Ton triffst, bietet dir Deepl.write darunter die Auswahl

  • enthusiastisch,
  • freundlich,
  • souverän und/oder
  • diplomatisch.

Und/oder schreibe ich deshalb, weil hier eine Mehrfachauswahl möglich ist.

Nützlich ist der Modus "Nur Korrigieren".

Nützlich ist der Modus „Korrigieren“. Den korrigierten Text kopierst du einfach in die Zwischenablage, ohne jeden Fehler einzeln bestätigen zu müssen.

Korrigierten Text übernehmen

Auf Wunsch blendest du die Änderungen ein oder aus. Im Zweifelsfalle übernimmst du einfach den korrigierten Text. Das funktioniert je nach Tagesform sehr gut, vor allem die Funktion zum Umformulieren.

Das kommt der von mir gewünschten „Ein-Klick-Korrektur“ schon recht nahe, da du die Fehler nicht einzeln durchgehen musst. Allerdings passen in das Textfenster maximal 3.000 Zeichen (für registrierte Anwenderinnen und Anwender). Und ein Hochladen von Worddokumenten ist bisher noch nicht vorgesehen.

Weiterhin habe ich festgestellt, dass beim Modus „Korrigieren“ häufig trotzdem umformuliert wird, wenn auch nur ein wenig. Eine reine Korrekturfunktion, eine, die nur Fehler korrigiert und den Rest unangetastet lässt, vermisse ich.

Aber vielleicht liegt das auch an der Betaphase. Oder das soll das Tool gar nicht können.

Unbegrenzte Textoptimierung und höchste Datensicherheit

Seit einer Weile wirbt das Tool für das kostenpflichtige Modell. Nur dann könnte man unbegrenzte Textoptimierung und höchste Datensicherheit genießen, heißt es auf der Website. Das Angebot (knapp 9 EUR im Monat) hatte ich schon im Herbst 2023 angenommen, bin also zahlender DeepL-Kunde und kann so – neben den Übersetzungsdienstleistungen – auch DeepL.Write in der Premiumversion nutzen.

Und wie sieht diese Premiumversion aus? Die Daten werden nicht auf dem Server gespeichert, verspricht die Firma, nachdem ich mich eingeloggt und DeepL.write aufgerufen habe. Das beruhigt und schafft Vertrauen.

Doch wo sind die vielen anderen Möglichkeiten geblieben? Das „Korrigieren“? Die unterschiedlichen Schreibstile beim Umformulieren? Die Möglichkeiten, den Ausgabeton festzulegen? Alles weg! Umformulieren ist der Standard. Einzig und allein „Änderungen anzeigen“ wird mir über dem rechten Textfeld angezeigt!

Ich bin enttäuscht!

Reduzierter Funktionsumfang für zahlende Kunden

Für zahlende Kunden gibt es also nur noch die Umformulierungsfunktion, und die auch nur in einer einzigen Geschmacksrichtung. Da fühlt man sich ziemlich veralbert!

Eine Mitarbeiterin vom Deep.L-Support schrieb mir daraufhin am 23. Oktober 2023, … dass diese Funktion noch nicht für alle Nutzer zur Verfügung stehe und ich daher nach dem Einloggen nicht mehr darauf zugreifen könne, weil diese Funktion noch ganz neu sei. Sie verstand, dass dies kontraintuitiv erscheinen mag und versprach, mein Feedback an die Entwickler weiterzuleiten. Ein genaues Datum dafür, wann die Funktion für alle Nutzer freigeschaltet werden würde, konnte sie mir noch nicht nennen. Nun, im April 2024 hat sich an diesem Zustand noch nicht viel geändert. (Allerdings weisen Texte auf das bevorstehende Ende des Betatests hin.)

So gut ist DeepL.write

Ob „Korrektur“ oder doch nur „Umformulieren“ – wie arbeitet dieses Werkzeug? Gut bis sehr gut. Der Ausdruck verbessert sich dramatisch, Fehler merzt das Tool dabei fast vollkommen aus. Lediglich bei Fachtexten sollte man das Ergebnis sehr genau prüfen, denn dort schleichen sich häufig sachliche Fehler ein.

Schade, dass die gerade aus diesen Gründen so wichtige Funktion „Korrigieren“ nur dann zur Verfügung steht, wenn man kein zahlender Kunde ist.

Fazit

Die Umformulierungsfunktion von Deepl.Write ist klasse. Die Texte klingen gut und sind fast fehlerfrei. Merkwürdigerweise steht die Funktion „Korrigieren“ derzeit nur Kundinnen und Kunden zur Verfügung, die nicht zahlen. Wer zahlender DeepL-Kunde wird, muss also mit einem reduzierten Funktionsumfang zurechtkommen. 7 von 10 Punkten vergebe ich daher, weil mir zu viel fehlt.

Ich sehe das Ergebnis aber nur als Momentaufnahme.

Ich hoffe, dass DeepL.write in Zukunft so gut funktioniert wie die Übersetzungsfunktion und dass auch das Hochladen von Worddokumenten möglich sein wird. Dann hätte ich meine gewünschte „Ein-Klick-Korrektur“. Sollte das irgendwann für einen günstigen Pauschalpreis angeboten werden und gut funktionieren, wäre DeepL.write mein klarer Favorit!

Textshine aus Österreich

Textshine ist den meisten bisher kein Begriff und auch ich hatte es nicht auf dem Zettel. Ich habe das Werkzeug erst im Herbst 2023 bei einem meiner KI-Seminare kennengelernt, die ich für den VfLL gebe, für den Verband der Lektorinnen und Lektoren. Eine Teilnehmerin gab den Tipp. Offenbar hat Textshine gezielt Mitglieder des Verbandes angeschrieben und um einen Test gebeten.

Und überhaupt wimmelt es auf deren Seite nur so von begeisterten Rezensionen. Motto: „Ich komme aus dem Staunen nicht heraus!“ Dabei findet man Textshine auch heute noch kaum über eine Websuche, nicht einmal in einem der einschlägigen Verzeichnisse von KI-Tools!

Die Selbstdarstellung auf textshine.com ist vollmundig und selbstbewusst: „Textshine ist Korrektorat auf Knopfdruck. So zuverlässig wie ein Mensch, aber 10× billiger, 100× schneller und 24/7 verfügbar. Und vor allem: absolut sicher.“

Ich war skeptisch!

Kleines „x“ statt Malzeichen (×)

Wahrscheinlich fällt den meisten Leserinnen und Lesern kein Rechtschreibfehler auf der Textshine-Website auf. Mir jedoch springt sofort eine kleine typografische Sünde ins Auge:

Statt des korrekten Malzeichens hat der Webdesigner ein kleines „x“ gewählt. Die korrekte Fassung des Satzes habe ich paar Zeilen weiter oben in diesem Beitrag zitiert.

Einverstanden, diesen Fehler findet sicher nur Herr Beckmesser aus diesem Blog und wir wollen das am Anfang nicht gleich überbewerten! (Denn wer im Glashaus sitzt – also selber Fehler macht – sollte nicht mit Steinen werfen. Errare humanum est.)

Wirklich zehnmal billiger?

Doch nehmen wir das 10× billiger unter die Lupe: Die Korrektur von 1.000 Zeichen kostet 50 Cent zzgl. 20 % Umsatzsteuer. Rabatte gibt es, wenn man Guthaben für 100.000, 500.000, 3.000.000 oder 10.000.000 Zeichen im Voraus erwirbt.

Seien wir fair. Nehmen wir mal ein Paket für 500.000 Zeichen, das sind rund 278 Normseiten à 1.800 Zeichen. Nehmen wir an, dass unser Fachbuch exakt so lang ist. Dafür zahlen wir 40 Cent zzgl. 20 % USt = 48 Cent pro 1.000 Zeichen, also reichlich 86 Cent pro Normseite. Das sind 240,- EUR für das Korrektorat von 278 Normseiten (à 1.800 Zeichen).

Ob ein menschliches Korrektorat dieses Umfangs wirklich 2400,- EUR kostet, wage ich stark zu bezweifeln. Ich schätze, dass ein Mensch den drei- bis fünffachen Preis berechnen würde.

Also ist dieser Punkt schon einmal stark übertrieben. (Und der hier aufgerufene Preis für eine KI-gestützte Leistung meines Erachtens auch.)

Anmeldung ohne Double-opt-in

Und wie sicher ist Textshine? Nach Selbstaussage absolut sicher. Ich habe mich angemeldet und war verblüfft: Ich musste nicht einmal meine E-Mail-Adresse bestätigen.

Ich konnte sofort eine Worddatei hochladen und mit der Korrektur meiner 10.000 Freizeichen loslegen.

Dass meine E-Mail-Adresse nicht verifiziert wurde, mag bequem sein, hat mein Vertrauen in deren Sicherheit jedoch ziemlich erschüttert. Bei allen möglichen Dienstleistern kann man sich erst nach Verifizierung und Lösung verschiedenster Captcha-Rätsel anmelden, selbst auf meinem WordPress-Blog verlange ich von meinen Abonnentinnen wenigstens ein Double-opt-in und prüfe zusätzlich, ob es sich um eine Wegwerf-E-Mail-Adresse handelt.

Doch hier kann sich offenbar jeder Depp anmelden und sofort mit dem Programm Schindluder treiben! Zumindest erweckt es diesen Eindruck!

Dokument wird per E-Mail geschickt

Doch wie bekomme ich mein korrigiertes und ggf. vertrauliches 10.000-Zeichen-Worddokument zurück? (Übrigens nach weniger als 10 Minuten, aber ChatGPT und Co wären hier auch nicht schneller gewesen.) Ich wollte es kaum glauben: per E-Mail. Klar, sie versprechen, es sofort vom Server zu löschen. Daher können sie das Dokument, wenn es verloren geht, auch nicht mehr zurückholen. Gut, das gefällt mir.

Doch was ist an einer einfachen E-Mail absolut sicher, wie behauptet? Nichts! Eine unverschlüsselte E-Mail ist eine der unsichersten Transportmethoden im Web.

Was nützt die ganze Sicherheit auf deren Server – wenn das Ergebnis der Arbeit schließlich wie auf einem Tablett präsentiert wird?

Da habe ich mehr Vertrauen in Anbieter wie LanguageTool oder DeepL, mit denen ich zumindest über eine gesicherte HTTPS-Verbindung kommunizieren kann.

Und wie ist das Korrekturergebnis?

Die Fehlererkennung selber arbeitet ganz hervorragend. Sie findet fast alle Fehler! Hier ist das Tool der Spitzenreiter und so hatte ich das auch erwartet: In meinem ersten, mit reichlich fiesen Fehlern gespickten 10.000-Zeichen-Testdokument hat es wirklich fast alle Fehler gefunden und korrigiert. Chapeau!

Selbst typografische Unschönheiten wie falsche Gedankenstriche oder gerade Anführungszeichen erkennt das Werkzeug zuverlässig und korrigiert diese. Übrigens auch das anfangs erwähnte Malzeichen!

Textshine arbeitet dabei mit der Änderungsverfolgung von Word. So kannst du in Word später alle Korrekturen nachverfolgen und durchgehen. Du kannst aber auch alle Änderungen auf einen Schlag annehmen und hast dann Ruhe.

Damit ist Textshine sehr dicht dran an meinem Ideal der „Ein-Klick-Korrektur“. Doch das ist leider nur die eine Seite der Medaille.

Felder werden gelöscht, Texte und Formatierungen verschwinden

In meinen Tests habe ich Kapitel aus einem meiner Fachbücher verwendet mit Indexeinträgen, verknüpften Abbildungen und Querverweisen auf Bilder und andere Abschnitte. Die Dokumente hatte ich natürlich sauber mit Formatvorlagen für Absätze und Zeichen formatiert, so wie es sein muss. Ein paar Fehlerchen mussten rein, und auch mal ein falsch gesetzter Absatzumbruch. Passiert halt, hehe.

Doch Textshine hat aus meinen Worddokumenten nicht nur die Fehler getilgt, sondern auch alle Indexeinträge! Querverweise auf Bilder bzw. Kapitel gingen ebenfalls „zu Bruch“ bzw. wurden in statische umgewandelt. Zeichenformatierungen, beispielsweise für Dateipfade oder Tastenkappen, hat Textshine ebenfalls selbstherrlich entfernt. In einem Fall verschwand sogar ein ganzer Aufzählungspunkt.

Links das Original, rechts die zurückgegebene Variante von Textshine: Textshine bringt mein Worddokument gründlich durcheinander! Absätze fehlen, andere werden verdoppelt (erste rote Umrandung). Formatierungen gehen verloren (gelbe Hinterlegung) und dynamische Verweise auf Bilder verlieren ihre Dynamik (zweite rote Umrandung) oder werden ganz gelöscht. Indexeinträge (hier nicht sichtbar) verschwinden komplett.

Offenbar hat sich das Werkzeug gründlich an den Feldern und Formatierungen in Word verschluckt. Das ist bei einem Fachbuch natürlich fatal und damit kommt Textshine für mich als Korrekturwerkzeug vorerst nicht infrage!

Wordformat ist kompliziert

Zugegeben, das Bearbeiten von Worddokumenten mit ihren vielen Feldern und Formatierungen ist eine komplexe Aufgabe. Am Anfang waren auch die von DeepL nach einer Übersetzung heruntergeladenen Worddokumente fehlerbehaftet und verlangten viel Nacharbeit. (So schlimm wie bei Textshine war DeepL allerdings nie.) Es dauerte einige Jahre, bis das Tool so weit war, wie es heute ist.

Inzwischen liefert DeepL allerdings fast perfekte Worddokumente, denen kaum ein „Feld- und Formatierhärchen“ mehr gekrümmt wurde. Eine Meisterleistung, an der sich Textshine messen lassen muss.

Fazit

Textshine ist das einzige der bisher getesteten Werkzeuge, das eine Worddatei entgegennimmt und – zumindest in der Theorie – korrigiert und mit allen Formatierungen zurückschickt. Bei einfach gestrickten Worddokumenten klappt das sicher sehr gut, bei Fachtexten mit Feldern, Verweisen und Indexeinträgen löscht oder wandelt Textshine Felder und Formatierungen, selbst Text geht verloren. Das ist unakzeptabel! Auch in puncto Sicherheit bleibt der Dienst hinter den geschürten Erwartungen zurück, da er bei der Erstanmeldung ohne Double-opt-in arbeitet und die korrigierte Datei einfach als E-Mail-Anhang versendet. Angesichts dieser Tatsache und angesichts des doch sehr stolzen Preises für längere Korrekturen reicht es bei mir nur für 5 von 10 Punkten.

Der Dienst wird ständig weiterentwickelt und in einigen Monaten werde ich den Korrekturdienst erneut überprüfen.

Korrektur umsonst? ChatGPT und Co.

Große Sprachmodelle wie ChatGPT, Copilot, Gemini oder Claude sind selbst in den kostenlosen Versionen gute Korrektoren, auf jeden Fall bessere als LanguageTool (zumindest in der Open-Source-Variante) und Duden Korrektor.

Sie finden und korrigieren je nach Tagesform und Prompt die meisten oder fast alle Fehler. Dafür muss man sich damit abfinden, dass die Daten im Zweifelsfall auch für das Training benutzt werden. Vertrauliche, personenbezogenen Informationen sind in zu korrigierenden Dokumenten daher tabu.

Das sollten sie sowieso immer sein, wenn KI im Spiel ist!

Auf Wunsch kann man ChatGPT und Co. auch anleiten, typografische Fehler zu finden und mitzukorrigieren. Das hängt alles von Prompt, vom verwendeten Modell und den ggf. mitgelieferten Beispielen ab.

Nützlich sind hier besonders die sogenannten Custom-GPTs von ChatGPT und dem Copilot, die zahlenden Kunden zur Verfügung stehen. Auf diese Weise kannst du den Tools nicht nur einen ausgefeilten Korrekturprompot mit auf den Weg geben, sondern sie auch mit eigenen Dokumenten trainieren, beispielsweise, um Hausregeln bei der Korrektur durchzusetzen.

Ein Beispielprompt für ChatGPT

Und wie könnte so ein ganz besonderer Korrekturprompot für ChatGPT oder den Copilot aussehen? In etwa so (bitte beachte Fehldarstellung typografischer Zeichen durch die WordPress-Automatik):

Als akribischer Korrektor in einem renommierten deutschen Fachverlag kennst du jede Regel der deutschen Rechtschreibung und Grammatik, inklusive aller Duden-Vorgaben. Du bist bewandert in der korrekten Anwendung von Groß- und Kleinschreibung, besonders nach Satzzeichen wie dem Doppelpunkt und bei der Schreibung von Zahlwörtern. Deine Expertise erstreckt sich ebenfalls auf die Mikrotypografie: Du korrigierst fehlerhafte Gedankenstriche (ersetze ‚-‚ durch ‚–‘), beseitigst doppelt gesetzte Leerzeichen und setzt das korrekte Auslassungszeichen (… statt …), unter Beachtung der notwendigen Leerzeichen davor und danach. Auch das typografische Apostrophzeichen (’) und die korrekten Anführungszeichen, sei es die „deutsche“ oder die »französisch-dänische« Variante, werden von dir sorgfältig überprüft und angepasst. Du identifizierst zudem logische Fehler und sorgst für textliche Konsistenz. Nimm die Korrektur vor, ohne den Text umzuformulieren, und gib den korrigierten Text direkt aus. Diese Aufgabe hat hohe Priorität und Dringlichkeit. Hast du alle Anweisungen verstanden?

In der kostenlosen Version 3.5 von ChatGPT waren die Ergebnisse nicht ganz perfekt. Vor allem meine Anweisungen zur Mikrotypografie hat der Chatbot ignoriert. Die aktuellen Versionen dagegen korrigieren fast auf dem Niveau von TextShine!

Copilot in Word

Und wie sieht das mit dem sagenumwobenen, brandneuen Copilot in Word aus? Den ich mir für meinen Test natürlich auch extra zugelegt habe, zusammen mit einem Abo für Microsoft 365 (das früher Office 365 hieß und aus Word, Excel und PowerPoint besteht). Das ist mir ein ganz witziges Kerlchen. Der verweigert mir die Korrektur eines Dokuments innerhalb vom Word komplett und verweist ironischerweise auf die Word-eigene Rechtschreibkorrektur.

Er schreibt u.a., er sei ein Assistent und könne das Dokument nicht selbst korrigieren. Weiter führt er aus, und ich zitiere jetzt wörtlich:

  1. Verwenden Sie die integrierte Rechtschreib- und Grammatikprüfung von Word, um Fehler zu finden und zu korrigieren.
  2. Verwenden Sie ein externes Korrekturwerkzeug wie Grammarly oder LanguageTool, um das Dokument zu überprüfen und Korrekturen vorzunehmen.
  3. Verwenden Sie ein professionelles Korrektorat, um das Dokument gründlich zu überprüfen und Korrekturen vorzunehmen.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Faule Socke Copilot!

Faule Socke Copilot: Der lässt mich doch glatt im Regen stehen! Und schlägt mir unter anderem Grammarly vor, einen Dienst, der überhaupt kein Deutsch versteht. Oder die schlechteste Korrekturfunktion die es überhaupt gibt – die innerhalb von Word.

Fazit

Ja, es gibt inzwischen einige vielversprechende Korrekturwerkzeuge auf Basis von künstlicher Intelligenz. Und nochmal ja: Sie finden allesamt mehr Fehler als der klassische Duden Korrektor oder die Open-Source-Variante vom LanguageTool. Nein: Blind korrigieren ist dabei noch nicht vorgesehen. Beim LanguageTool musst du jede Fundstelle überprüfen und die Korrektur manuell durchführen. Textshine nimmt zwar Worddokumente entgegen und korrigiert ganz ausgezeichnet, bringt dir aber möglicherweise Formatierung und Text in deinen Worddokumenten durcheinander. Und ChatGPT und Co. korrigieren nur dann richtig gut, wenn du sie auch vernünftig promptest und die kostenpflichtige Version verwendest. Der Copilot innerhalb von Word dagegen ist als Korrekturwerkzeug derzeit noch ein Totalausfall.